Sind wir noch frei?

Im Moment fällt es mir tatsächlich schwer, diese Frage mit einem ausdrücklichen Ja! zu beantworten. Mein Reader hat sich nämlich seit einigen Tagen ziemlich ausgedünnt, und Schuld daran ist die DSGVO, die die Freiheit vieler Blogger, deren Beiträge ich sehr gern las, einschränkt, weiter zu bloggen.

Bestes Beispiel für einen meiner Meinung nach hervorragend geführten Blog war, ja leider war, das Lehrercafe. Die freie Meinungsäußerung ist Beamten bekanntermaßen untersagt, Ela und Alexa durften sich auch im 21. Jahrhundert nicht öffentlich zu bildungspolitischen Themen äußern. Dass das Beamtenrecht diesbezüglich veränderungswürdig erscheint, sticht sofort hervor, lässt sich durch Ottonormalbürger aber leider nicht ändern. Um sich beruflichen Konsequenzen zu entziehen nutzten die beiden (anfänglich zu dritt) jedoch die wunderbare Möglichkeit, die rheinlandpfälzische Bildung kritisch zu beäugen, indem sie anonym bloggten. Was haben sie uns dadurch nicht für herrliche Einblicke beschert in ein System, welches mit Kopfschütteln einerseits und einem Lachanfall andererseits am Ende jeden Beitrags endete, da ihre Berichte stets so humorig unterlegt waren, dass man hier einfach nur gern las. Dem Zwang zum Impressum können beide nun nicht folgen, der Landesdatenschutzbeauftragte war ihnen schon gefährlich nahe gekommen. Ein weiteres Beispiel ist in Frau Henner zu sehen, die ihren Blog auf privat umgestellt hat. Einer Leseeinladung darf nun kaum noch jemand folgen. Schade.

Kritik äußern ist nicht erwünscht im doch angeblich so demokratischen Deutschland. Und unsere demokratisch gewählten Volksvertreter sind es zudem auch noch, die in Brüssel den Grundstein dazu gelegt haben, dass nun gerade diejenigen, die konstruktive Kritik äußerten, mundtot sind. Warum? Weil sie es in ihrer Machtbesessenheit nicht aushalten, wenn man sie kritisiert. Unverstanden auch dessen, dass sie nichts wissen um die Bedeutung des Wortgebrauchs „Kritik“. Denn wären sie dessen wissend, wüssten sie, dass in kritischen Äußerungen immer eine Chance liegt, eine Chance der Reflexion und der Veränderung, eine Chance des Wachsens, eine Chance der gesellschaftlich gewünschten Anpassung.

Ich kann also nicht behaupten, wir seien frei. Vielmehr entwickeln wir uns zurück, in dem wir am Beispiel der anonym geführten Blogs nun so viele wunderbare Blogger nicht mehr verfolgen können. Es macht mich traurig und wütend zugleich und ich frage mich auch schon, wann wir Autoren gezwungen sein werden, unser Pseudonym offenbaren zu müssen. Sollte dieser Umstand auch noch eintreffen, dann kann ich nur sagen, willkommen in der Scheindemokratie.

Leider musste auch ich meine Kommentarfunktion schließen. Viele Grüße, Nele

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